Bert Trautmann ist der deutsche Fußball-Torwart, der 1956 im FA-Cup-Finale mit gebrochenem Genick weiterspielte und damit zur Legende von Manchester City wurde. Geboren 1923 in Bremen, gefangen im Zweiten Weltkrieg, gestorben 2013 in Spanien – kaum eine Karriere im englischen Fußball trägt eine derart schwere Vorgeschichte. Seine Geschichte ist zugleich Sportmärchen und Versöhnungserzählung zwischen zwei Nationen.
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Vom Bremer Arbeiterviertel in die Wehrmacht
Bernhard Carl Trautmann wuchs im Bremer Stadtteil Walle auf, einem Viertel geprägt von Werften und harter Handarbeit. Als Jugendlicher trat er der Hitlerjugend bei und diente später als Fallschirmjäger der Luftwaffe. Fünf Auszeichnungen erhielt er im Kriegsverlauf, darunter das Eiserne Kreuz Erster Klasse – eine Vorgeschichte, die seinen späteren Weg in England zunächst zur Zerreißprobe machen sollte.
Gegen Ende des Krieges geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. Statt in seine Heimat zurückzukehren, blieb der junge Bremer in England, arbeitete auf einem Bauernhof in Lancashire und schloss sich dem Amateurverein St Helens Town an. Dort fiel sein Talent im Tor so deutlich auf, dass Erstligisten aufmerksam wurden.
Der Wechsel zu Manchester City: ein Skandal wird zum Triumph
Als Manchester City den ehemaligen deutschen Fallschirmjäger im Oktober 1949 unter Vertrag nahm, war der Aufschrei enorm. Rund 20.000 Menschen demonstrierten gegen die Verpflichtung, viele City-Fans drohten mit Vereinsaustritt. Die Erinnerung an den Krieg war noch zu frisch, der Widerstand entsprechend laut.
Trautmann drehte die Stimmung nicht mit Worten, sondern mit Paraden. Er spielte 250 der folgenden 254 Pflichtspiele für die „Skyblues“ und verwandelte Misstrauen in Bewunderung. Bis 1964 blieb er im Tor von Maine Road – 15 Jahre, in denen er sich vom Symbol der Kriegsschuld zum Publikumsliebling wandelte.
Karrieredaten im Überblick
| Station | Zeitraum | Spiele |
|---|---|---|
| St Helens Town AFC | 1948–1949 | 43 |
| Manchester City | 1949–1964 | 508 (Liga) / 545 (gesamt) |
| Wellington Town | 1964 | 2 |
Das FA-Cup-Finale 1956: 17 Minuten mit gebrochenem Genick
Der 5. Mai 1956, Wembley-Stadion, rund 100.000 Zuschauer: Manchester City trifft im Finale auf Birmingham City. In der 73. Minute wirft sich Trautmann Birmingham-Stürmer Peter Murphy entgegen und wird durch dessen Knie am Hals getroffen – ein Aufprall, der ihn kurz benommen zu Boden schickt.
Ohne Auswechselspieler auf der Bank spielte er weiter, hielt in der Schlussphase noch zwei entscheidende Bälle und sicherte City den 3:1-Sieg. Erst als Prinz Philip ihm bei der Siegerehrung auf den schief hängenden Kopf hinweist, antwortet Trautmann mit „steifer Hals“ – die Wahrheit kommt erst drei Tage später per Röntgenbild zutage: fünf verrutschte Halswirbel, einer davon vollständig gebrochen. Ärzte sprachen später davon, dass er nur wenige Millimeter von einer tödlichen Verletzung entfernt war.
Bert Trautmann brauchte fast eine ganze Saison, um sich zu erholen, kehrte danach aber für weitere sechs Jahre als Nummer eins zwischen die Pfosten zurück. 1956 wurde er zudem als erster ausländischer Spieler von der Football Writers‘ Association zum „Footballer of the Year“ gewählt – eine Auszeichnung, die seinen Status in England endgültig zementierte.
Leben nach dem Profifußball
Nach seinem letzten Pflichtspiel im März 1964 gegen Preston North End und einem Abschiedsspiel vor offiziell 47.000 Zuschauern in Maine Road wechselte Trautmann ins Trainergeschäft. Stationen als Cheftrainer führten ihn zu Stockport County, Preußen Münster und Opel Rüsselsheim.
Anschließend arbeitete er im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes als Entwicklungshelfer und Trainer in mehreren Ländern:
Burma (1972–1974)
Tansania (1975–1978)
Liberia (1978–1981)
Pakistan (1981–1983)
Nordjemen (1983–1985)
Malta (1987)
2004 verlieh ihm Königin Elisabeth II. den Titel Officer of the Order of the British Empire (OBE) – Anerkennung für seinen Beitrag zur deutsch-britischen Verständigung durch Sport. Auch Adidas-Gründer Adolf Dassler pflegte eine persönliche Freundschaft mit ihm; Trautmann gilt als erster Sportler Großbritanniens, der die Marke trug.
Tod und Vermächtnis
Am 19. Juli 2013 starb Bert Trautmann im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat La Llosa, unweit von Valencia. Der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach würdigte ihn als „großartigen Sportler und wahren Gentleman“. 2005 war er bereits in die Hall of Fame des National Football Museum aufgenommen worden.
Der russische Torwart-Weltmeister Lew Jaschin, selbst eine Ikone seiner Zunft, brachte es einmal auf den Punkt: Es habe nur zwei wirklich weltklasse Torhüter gegeben – ihn selbst und „den deutschen Jungen, der in Manchester spielte“. Diese Einschätzung eines direkten Rivalen zeigt, welchen Rang Trautmann unter Fachleuten tatsächlich einnahm, unabhängig von seiner ungewöhnlichen Vorgeschichte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie alt war Bert Trautmann, als er starb?
Bert Trautmann wurde 89 Jahre alt. Er starb am 19. Juli 2013 in La Llosa bei Valencia, Spanien.
Warum ist Bert Trautmann berühmt?
Er wurde vor allem durch das FA-Cup-Finale 1956 bekannt, in dem er als Torwart von Manchester City die letzten 17 Minuten mit einem gebrochenen Genick spielte und dennoch den Sieg sicherte.
Hat Bert Trautmann für die deutsche Nationalmannschaft gespielt?
Nein. Obwohl er einer der besten Torhüter seiner Generation war, kam Trautmann nie für die deutsche Nationalelf zum Einsatz – seine gesamte Profikarriere verbrachte er in England.
Wie viele Spiele hat Bert Trautmann für Manchester City gemacht?
Zwischen 1949 und 1964 bestritt er 508 Ligaspiele und insgesamt 545 Partien in allen Wettbewerben für Manchester City.
Mehr lesen: Charlotte Karlinder









