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Ursula von der Leyen: Die Frau, die Europas Kurs bestimmt
Ursula von der Leyen ist die deutsche Ärztin und CDU-Politikerin, die seit 2019 als erste Frau an der Spitze der Europäischen Kommission steht und seit Dezember 2024 ihre zweite, bis 2029 laufende Amtszeit führt. Zuvor war die gebürtige Brüsselerin unter Angela Merkel Bundesministerin für Familie, Arbeit und schließlich Verteidigung. Wer heute über die Machtarchitektur der EU spricht, kommt an dieser Karriere nicht vorbei.
Wer ist Ursula von der Leyen? Herkunft und ein ungewöhnlicher Bildungsweg
Geboren wurde sie am 8. Oktober 1958 in Ixelles bei Brüssel – als Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der damals für die EU-Kommission arbeitete. Die Kindheit in Belgien prägte sie sprachlich und mental europäisch, lange bevor an eine politische Karriere zu denken war.
Nach dem Abitur studierte sie zunächst Wirtschaftswissenschaften an der London School of Economics, wechselte dann aber das Fach komplett: Medizin in Hannover, mit Spezialisierung auf Gynäkologie. 1991 folgte die Promotion. Mit ihrem Mann Heiko von der Leyen, ebenfalls Arzt, zog sie zeitweise sogar in die USA, bevor die Rückkehr nach Niedersachsen den Grundstein für alles Weitere legte. Sieben Kinder großzuziehen und gleichzeitig eine steile politische Laufbahn einzuschlagen, gehört zu den Details, die ihr Bild bis heute prägen.
Der Weg in die Politik: Von Hannover nach Berlin
Landespolitik als Sprungbrett
1990 trat sie der CDU bei, ab 1996 engagierte sie sich in der Kommunalpolitik rund um Hannover. 2003 zog sie in den niedersächsischen Landtag ein und wurde kurz darauf Landesministerin – ein klassischer, aber keineswegs zwangsläufiger Weg in die Bundespolitik.
Ministerin unter Angela Merkel (2005–2019)
Mit dem Wahlsieg der Union 2005 holte Merkel die damals 47-Jährige als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Kabinett. Es folgten weitere Stationen, die ihre spätere Rolle in Brüssel vorwegnehmen:
| Jahr | Position | Besonderheit |
|---|---|---|
| 2005–2009 | Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend | Einführung des Elterngeldes |
| 2009–2013 | Bundesministerin für Arbeit und Soziales | Rentenreformen, Mindestlohn-Debatte |
| 2013–2019 | Bundesministerin der Verteidigung | Erste Frau in diesem Amt in Deutschland |
| 2019–heute | Präsidentin der Europäischen Kommission | Erste Frau an der Spitze der Kommission |
Als Verteidigungsministerin geriet sie zeitweise stark unter Druck – Stichworte Berateraffäre und Ausrüstungsmängel der Bundeswehr. Genau in dieser angespannten Phase kam 2019 das Angebot aus Brüssel, das ihre Karriere auf eine neue Ebene hob.
An der Spitze der EU-Kommission seit 2019
Erste Amtszeit: Pandemie, Klimapolitik und Kriegsausbruch
Mit 383 von 747 Stimmen wählte das Europaparlament sie 2019 überraschend knapp zur Kommissionspräsidentin. Kaum im Amt, musste sie die Institution durch die Corona-Pandemie steuern – von der gemeinsamen Impfstoffbeschaffung bis zum milliardenschweren Wiederaufbaufonds. Nur wenige Jahre später kam mit Russlands Angriff auf die Ukraine die nächste Zäsur, die Brüssels sicherheitspolitische Prioritäten neu sortierte.
Zweite Amtszeit (2024–2029): Aufrüstung und Wettbewerbsfähigkeit
Im Juli 2024 bestätigte das Parlament sie mit 401 von 707 Stimmen für eine zweite Amtszeit; seit dem 1. Dezember 2024 führt sie ein Kollegium aus 27 Kommissarinnen und Kommissaren. Der Schwerpunkt hat sich merklich verschoben: Statt Klimapolitik dominiert jetzt das REARM-Europe-Programm, mit dem bis zu 800 Milliarden Euro für die europäische Verteidigungsindustrie mobilisiert werden sollen. Von rund 400 angekündigten Initiativen entfällt laut Analysen des Europäischen Parlaments etwa die Hälfte auf Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit, jede achte auf Verteidigung und Sicherheit.
Kontroversen: Pfizergate und der Vorwurf der Zentralisierung
Kein Porträt wäre vollständig ohne die sogenannte Pfizergate-Affäre: Geheime SMS-Nachrichten mit dem Pfizer-Chef zur Impfstoffbeschaffung wurden nie vollständig veröffentlicht, was der EU-Bürgerbeauftragten und später auch europäischen Gerichten Anlass zur Kritik gab. Parallel wächst die Debatte über ihren Führungsstil: Kritiker werfen der Kommissionschefin vor, Entscheidungen zu stark im eigenen Kabinett zu bündeln, statt Kommissare und Parlament einzubinden. Befürworter halten dem entgegen, dass genau diese Durchsetzungsfähigkeit Europa in Krisenzeiten handlungsfähig gemacht habe.
Schlagzeilen 2026: Digitalpolitik, NATO und diplomatische Reibung
Aktuell treibt sie ein EU-weites Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren voran, nachdem eine Expertengruppe im Juli 2026 vor „räuberischen Algorithmen“ gewarnt hatte. Auf dem NATO-Gipfel forderte sie eine massive Erhöhung der Verteidigungsinvestitionen, und bei der Münchner Sicherheitskonferenz warb sie für Europas strategische Unabhängigkeit. Gleichzeitig sorgt die Kompetenzverteilung in der Außenpolitik für Spannungen: Die Zusammenarbeit mit EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas wird derzeit neu justiert, weil beide Ämter um außenpolitische Federführung ringen.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie alt ist Ursula von der Leyen und wo wurde sie geboren?
Ursula von der Leyen wurde am 8. Oktober 1958 in Ixelles bei Brüssel geboren und ist damit 67 Jahre alt.
Welche Ämter hatte Ursula von der Leyen vor der EU-Kommission?
Vor ihrem Wechsel nach Brüssel war sie deutsche Bundesministerin für Familie (2005–2009), Arbeit und Soziales (2009–2013) sowie Verteidigung (2013–2019).
Wie lange dauert die zweite Amtszeit von Ursula von der Leyen?
Ihre zweite Amtszeit als Präsidentin der Europäischen Kommission begann am 1. Dezember 2024 und läuft bis zu den Europawahlen 2029.
Was ist die Pfizergate-Affäre um Ursula von der Leyen?
Der Begriff bezeichnet den Streit um nicht veröffentlichte SMS-Nachrichten zwischen von der Leyen und dem Pfizer-Chef während der Impfstoffbeschaffung, der ihr anhaltende Kritik an mangelnder Transparenz einbrachte.
Mehr lesen: Nicolas König





