Politik in Berlin ist ein Sonderfall: Die Stadt ist gleichzeitig Gemeinde, Bundesland und Hauptstadt. Das macht die Sache spannend – aber auch kompliziert. Wer entscheidet eigentlich, ob deine Straße saniert wird, wo eine neue Schule entsteht oder was mit dem leerstehenden Haus im Kiez passiert? Hier kommt die Berliner Politik, einfach erklärt.
Berlin ist ein Bundesland – mit eigener Regierung
Anders als die meisten Städte ist Berlin eines der 16 deutschen Bundesländer. Die Landesregierung heißt Senat: An der Spitze steht die Regierende Bürgermeisterin oder der Regierende Bürgermeister, dazu kommen Senatorinnen und Senatoren für Bereiche wie Wohnen, Verkehr, Bildung oder Kultur. Der Amtssitz ist das Rote Rathaus am Alexanderplatz – das Gebäude mit dem markanten Turm aus rotem Backstein.
Das Abgeordnetenhaus: Berlins Parlament
Gewählt wird der Senat nicht direkt vom Volk, sondern vom Abgeordnetenhaus von Berlin – dem Landesparlament. Die Berlinerinnen und Berliner wählen es in der Regel alle fünf Jahre. Das Abgeordnetenhaus beschließt die Landesgesetze, kontrolliert die Regierung und entscheidet über den Haushalt – also darüber, wofür die Stadt ihr Geld ausgibt.
Die Bezirke: Politik vor deiner Haustür
Jeder der zwölf Bezirke hat ein eigenes Bezirksamt mit Bürgermeister und Stadträten – und ein eigenes Mini-Parlament: die Bezirksverordnetenversammlung, kurz BVV. Sie entscheidet über vieles, was den Alltag im Kiez direkt betrifft: Spielplätze, Radwege, Baugenehmigungen, Bibliotheken.
Das Besondere: Bei der BVV-Wahl dürfen schon 16-Jährige mitwählen – und auch EU-Bürgerinnen und EU-Bürger, die in Berlin wohnen. Lokalpolitik ist damit die zugänglichste Form der Demokratie in der Stadt.
Volksentscheide: Wenn die Stadt selbst abstimmt
Berlin hat eine lebendige Tradition direkter Demokratie. Berühmtestes Beispiel: der Volksentscheid zum Tempelhofer Feld 2014, mit dem die Berliner die Bebauung des ehemaligen Flughafens stoppten. Auch über Wohnungspolitik und Klimaziele wurde per Volksentscheid abgestimmt. Der Weg dorthin führt über Unterschriftensammlungen – wer genügend Unterstützung sammelt, bringt sein Anliegen zur Abstimmung.
Mitmachen: So bringst du dich ein
Politik in Berlin ist keine Zuschauersportart. Ein paar konkrete Möglichkeiten:
- BVV besuchen: Die Sitzungen sind öffentlich – jeder darf zuhören, in der Einwohnerfragestunde sogar Fragen stellen
- Einwohnerantrag: Mit genügend Unterschriften kannst du ein Thema direkt auf die Tagesordnung der BVV setzen
- Bürgerbeteiligung: Bei Bauprojekten und Kiezumgestaltungen gibt es regelmäßig Beteiligungsverfahren – online und vor Ort
- Volksbegehren unterschreiben: In Bürgerämtern oder auf der Straße – dein Name zählt
Fazit: Große Stadt, kurze Wege zur Politik
Zwischen Senat, Abgeordnetenhaus von Berlin und BVV wirkt die Berliner Politik auf den ersten Blick unübersichtlich. Aber gerade die Bezirksebene macht sie nahbar: Die Entscheidungen über deinen Kiez fallen oft nur wenige Straßen entfernt – und du kannst dabei sein. Auf Berlin-Kiez berichten wir regelmäßig darüber, was die Politik in den Bezirken entscheidet.
Warst du schon mal bei einer BVV-Sitzung? Erzähl uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!





